Kladruber Argento
So ja!
Starter einer S-Dressur auf dem Abreiteplatz

 

Was ist schön?

Bilder sagen mehr als Worte

Ein Vergleich:

 

Kladruber Argento auf                                                           Starter einer S-Dressur auf

einer Show im Rahmen der                                                    dem  Abreiteplatz Juli 2008
Landesmeisterschaft in Mecklenburg-

Vorpommern im Juli 2008.

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Da es menschlich ist, das als schön zu emfpinden, was man gewöhnt ist, ist es denkbar, dass einige Reiter die Kopf-Hals-Haltung des dunklen Pferdes auf dem rechten Foto als schön und richtig empfinden. Hier möchte ich kurz auf einige Aspekte der Bewegungsmechanik eingehen und beschreiben, warum diese Haltung dem Pferd nicht zuträglich ist.

 

Bild vom dunklen Pferd

Sowohl Kandaren- als auch Trensenzügel wirken mit Spannung auf das Maul, insbesondere auf die Zunge, ein. Anstatt nur im Unterkiefer (was nicht möglich ist, da der Nasenriemen zu fest verschnallt ist) und im Genick nach zu geben, weicht das Pferd dem Druck mit dem gesamten Kopf nach unten und rückwärts aus, indem es sich im unteren Hals, besonders im Arm-Kopf-Muskel, verkürzt, während es sein Nackenband überdehnt. Das Genick ist nicht mehr der höchste Punkt, die Stirn-Nasen-Linie gerät hinter die Senkrechte. Durch die andauernde Kontraktion des unteren Halsmuskels ist eine freie Bewegung der Vorderbeine aus den Schultern heraus nicht mehr möglich  - die Pferde laufen mit verkürzten Schritten bzw. Tritten und überlasten oft die Strukturen ihrer unteren Extremitäten, weil die natürliche Federung über einen elastisch schwingenden Rücken in dieser Haltung nicht möglich ist. Durch den permanenten Zug vorn reagieren viele der so gerittenen Pferde nicht leicht auf die vortreibende Schenkelhilfe, was manchmal zu ständigem und übertriebenem Treiben, teilweise mit Sporeneinsatz führt. Andere Pferde beginnen aufgrund ihres nach vorn verschobenen Gleichgewichtes zu eilen, was meist zu noch mehr Festhalten führt.

Durch die Daueranspannung von Hals- und Rückenmuskulatur und dadurch, dass die Pferde in dieser Kopf-Hals-Position ihre Umgebung schlechter sehen können, wirken einige der so gerittenen Pferde vom Augenausdruck her sehr gleichgültig, andere wiederum reagieren gestresst darauf, dass man ihnen die Sicht nimmt. Bei beiden Varianten sind die Pferde geistig oft unentspannt, die Atmung ist nicht tief und ruhig, Stresshormone werden vermehrt ausgeschüttet.... 

 

Als ich letztens auf einem Turnier von einer Tribüne aus zuschaute, standen neben mir Nicht-Reiter. Der Ehemann und die Kinder einer Teilnehmerin. Ein Kind sagte zu seinem Vater:" Papa, guck mal. Das sieht verkrampft aus, nicht so stolz". "Stimmt", sagte der Vater, sieht irgendwie ungesund aus". Recht haben sie!  

 

Bild vom Schimmel

Die Zügel werden auf französische Art geführt, damit Kandaren- und Trensenzügel differenziert einwirken können. Weil der Trensenzügel bei Bedarf aufrichten, der Kandarenzügel beizäumen kann,  macht es wenig Sinn, ständig mit allen 4 Zügeln gleichzeitig auf das Pferdemaul einzuwirken.

Dieses Pferd gibt im Genick an der richtigen Stelle nach, sowohl die unteren Halsmuskeln, als auch die oberen arbeiten in Länge, der Kopf entfernt sich nach vorn vom Widerrist, so dass die Dornfortsätze des Widerrists nach vorn  gezogen und  die untere Halsbasis angehoben werden. Das Pferd kann die Rückenmuskeln im Wechseln an und abspannen, so wie es von derNatur für einen Bewegungsmuskel vorgesehen ist. Der Rückenmuskel muss nicht in Dauerspannung Haltearbeit leisten. 

Diese Aufnahme entstand im Moment des Sinkenlassens der Hand. Wenn das Pferd sich in einem guten Gleichgewicht befindet, können die Hilfen für einen Moment aussetzen. Das Pferd bleibt bei seiner Aufgabe quasi auf Ehrenwort, es bleibt in mentaler Versammlung beim Reiter, ohne dass dieser es stört.

Der Nasenriemen ist locker verschnallt, damit das Pferd seinen Unterkiefer  bewegen kann, denn  durch ein Nachgeben im Unterkiefer vermag das Pferd dem Reiter mit zu teilen, ob es  losgelassen ist und sich im Gleichgeweicht befindet oder nicht.  Mit einem eng verschnallten Nasenriemen ist diese Form der Kommunikation zwischen Reiter und Pferd nicht möglich. In dieser Haltung kann das Pferd seine Umgebung wahrnehmen und reagiert gelassen aber interessiert, anstatt mit erlernter Hilflosigkeit, denn es befindet sich nicht in einer Zwangshaltung.